Vom ersten Training zum Sparring: So wachsen Kinder hinein

In diesem Beitrag
Olympisches Taekwondo ist ein Kontaktsport. Der Kontakt wird im Training aber schrittweise und kontrolliert aufgebaut. Kein Kind wird bei uns am ersten Tag in einen freien Kampf geschickt.
Bevor Aufgaben freier werden, lernen Kinder sichere Bewegungen, klare Regeln und die Zusammenarbeit mit einem Partner. Aus einfachen Übungen entstehen so nach und nach offene Situationen.
Was Kinder zuerst lernen
In den ersten Wochen und Monaten üben die Kinder Grundstellungen, Schritte und einfache Tritte. Viele Bewegungen lernen sie zunächst ohne Partner oder mit Schlagpolstern, den sogenannten Pratzen.
An den Pratzen können sie Tempo und Bewegungsablauf ausprobieren, ohne zugleich auf eine unerwartete Gegenaktion reagieren zu müssen. Erst wenn die Technik verständlich ist, kommt eine klar begrenzte Partneraufgabe dazu.
Dabei geht es um saubere Technik, Gleichgewicht und Aufmerksamkeit. Ebenso wichtig sind die Trainingsregeln: zuhören, Rücksicht nehmen und sofort stoppen, wenn der Trainer „Stopp“ sagt.
Diese Grundlagen wirken von außen vielleicht weniger spektakulär als ein Kampf. Sie schaffen aber die Sicherheit, auf der jede spätere Partneraufgabe aufbaut.
Schritt für Schritt
Vom Üben zum Sparring.
Vier Etappen führen von einer Technik zum freien Sparring.
- 01GrundlagenStellungen, Schritte und einzelne Techniken.
- 02Feste PartneraufgabenAngriff und Antwort sind abgesprochen.
- 03Freier entscheidenMehrere Möglichkeiten verlangen eine eigene Reaktion.
- 04SparringOffene Situationen innerhalb klarer Regeln.
Woran wir es merken
Bereit ist ein Kind, wenn …
- AbstandEs die Entfernung zum Partner einschätzen kann.
- KraftEs eine Technik kontrolliert und dosiert ausführt.
- RegelnEs zuhört und auf „Stopp“ sofort reagiert.
- RespektEs aufmerksam mit dem Partner trainiert.
Kein fester Termin: Das Trainerteam entscheidet, wann die Aufgabe freier wird.
Was Kinder vor freiem Sparring lernen
Bevor Kinder frei sparren, lernen sie typische Angriffe, Verteidigungen und einfache Kombinationen.
Eine Partnerübung beginnt zum Beispiel mit einer vereinbarten Angriffstechnik und einer festgelegten Abwehr. Danach gibt der Trainer mehrere Möglichkeiten vor, zwischen denen die Kinder selbst entscheiden.
Gleichzeitig lernen sie die Regeln des Kyorugi und ihre Anwendung in einer Kampfsituation. Eine Technik nur korrekt auszuführen reicht nicht: Die Kinder müssen auch erkennen, wann sie sinnvoll ist und wie sie danach sicher weiterarbeiten.
Eine Aufgabe kann etwa nur den ersten Angriff trainieren, eine andere das sichere Verlassen der Distanz oder die Reaktion auf einen Konter. So wird nicht alles gleichzeitig verlangt.
Im Training geht es nicht darum, den Partner zu besiegen, sondern Situationen auszuprobieren und bessere Entscheidungen zu lernen. Dazu gehört:
- eine Aktion vorzubereiten,
- den richtigen Moment für den Angriff zu erkennen,
- die Technik auszuführen,
- nach dem Angriff wieder sicher herauszukommen,
- auf eine Gegenaktion zu reagieren,
- selbst zu kontern,
- zu verteidigen und die Distanz zu kontrollieren.
Fehler gehören dabei zum Lernen. Der Trainer kann eine Situation anhalten, erklären und mit einer klareren Aufgabe noch einmal beginnen lassen.
Wie intensiv wird gesparrt?
Freieres Sparring bedeutet nicht, dass in jedem Training hart gekämpft wird.
Wie intensiv eine Übung ist, wer mit wem trainiert und welche Aufgabe gestellt wird, hängt immer von der Gruppe und vom Trainingsziel ab.
Dazu gehören langsame Technikrunden ebenso wie kurze situative Aufgaben. Partner und Tempo werden so gewählt, dass beide Kinder an derselben Aufgabe sicher arbeiten können.
Ein Kind darf jederzeit sagen, wenn etwas unangenehm ist, weh tut oder es eine Pause braucht. Der Trainer passt die Aufgabe an oder beendet die Runde.
Welcher Schutz wird gebraucht?
Für die ersten Sparring-Übungen braucht jedes Kind Tiefschutz, Mundschutz sowie Unterarm- und Schienbeinschutz. Helme und Hogus können anfangs aus dem Vereinsbestand genutzt werden.
Mehr zur Auswahl findet ihr im Ratgeber Ausrüstung.
Den gesamten Aufbau einer Einheit erklären wir unter Training.